Ohne Entspannung wird Daueranspannung allerdings nach einer Zeit zum Problem. „Burnout“ nennt man neudeutsch ein neues Symptom, das mit körperlichem Zusammenbruch, seelischen Depressionen, geschwächtem Immunsystem, teilweise aggressivem und autoaggressivem Verhalten, Müdigkeit und Schlafstörungen einhergeht. Totale Erschöpfung könnte man diese Symptome nennen. An dieser Stelle fragt man sich, was passiert ist. Zwei Metaphern können dies gut veranschaulichen: Man nehme ein Gummiband und dehne es. Normalerweise macht es der Beschaffenheit des Gummis nichts aus. Wenn es losgelassen wird, entspannt sich das Material wieder. Nun nimmt man allerdings das Gummi, dehnt ihn immer weiter und weiter, ohne aufzuhören. Was wird passieren? Das Gummi reißt. Für Technikfreunde kann man das Beispiel des Autos anbringen. Man legt den ersten Gang ein, um anzufahren. Man gibt Gas und wenn eine gewisse Geschwindigkeit erreicht ist, schaltet man nach und nach in höhere Gänge und pendelt sich auf einer Durchschnittsgeschwindigkeit ein. So ist jedes Automobil ausgelegt. Nun stelle man sich vor, man gibt im ersten Gang immer weiter Gas, immer mehr, ohne hochzuschalten und ohne aufzuhören. Was wird passieren? Der Motor wird immer weiter überdreht, bis er am Ende kaputtgeht. Völliger Stillstand. So etwas Ähnliches passiert, wenn uns der Burnout trifft. Doch was kann man dagegen tun?
Zunächst ist es wichtig, sich selbst denselben Stellenwert einzuräumen, den man seiner Umwelt zuspricht. Jeder von uns hat Pflichten, aber auch Rechte, die er wahrnehmen muss. Tut er das nicht, gräbt er sich selbst die Energie ab, die er notwendigerweise zur Pflichterfüllung braucht. Man muss den Zusammenhang zwischen Geben und Nehmen erkennen. Nur wenn wir bereit sind, vom Leben auch etwas zu nehmen, können wir geben. Das ist an alle Altruisten gerichtet. Menschen mit altruistischen Zügen oder ausgeprägtem Helfersyndrom sind keinesfalls immun gegen die Gesetze der Logik. Wer seine Lebensaufgabe im Helfen und Für-andere-da-Sein sieht, weiß dennoch, dass er noch mehr helfen kann, wenn er sich ab und zu eine Pause gönnt. Sonst ist nach kurzer Zeit Schluss mit der Hilfsbereitschaft. Für die Ehrgeizigen und Perfektionisten sei gesagt, dass kontinuierlich einhundert Prozent besser sind als temporär mit hundertfünfzig Prozent powern, um danach auf Null abzufallen. Niemand ist unentbehrlich und wenn es uns nicht gelingt, unsere Leistungen gut zu dosieren, braucht uns bald niemand mehr. In immer mehr Fällen muss man allerdings kein extremer Charakter sein, um vom Burnout betroffen sein zu können. Durch die wirtschaftliche Notwendigkeit sehen sich viele Arbeitnehmer zwangläufig dazu gezwungen, mehr Energie zu geben als ihnen gut tut. Dabei handelt es sich um Menschen, die sehr wohl spüren, dass ihre körperlichen und seelischen Grenzen permanent überschritten werden. Sie fühlen sich ihrer Situation hilflos ausgeliefert und schweigen aus Angst um ihren Arbeitsplatz.
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In persönlichkeitsbedingten Fällen ist dem Betroffenen ein Gang zum Psychologen anzuraten. Denn Raubbau kann man nicht nur durch exzessives Verhalten und Alkohol- und Nikotinmissbrauch betreiben. Ab und zu bedarf es auch einer gezielten professionellen Innenhygiene. Jenen, die sich als Opfer des gestiegenen wirtschaftlichen Drucks und existenzbedrohender Angst fühlen, helfen Tipps, dem Burnout vorzubeugen:
1) Das „Gelassenheitsgebet“ nach Reinhold Niebuhr „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ kann man hervorragend auf belastende Lebenssituationen anwenden: An dem Arbeitspensum in Ihrer Firma können Sie nichts ändern, auch nichts an dem prekären Status, den jeder Arbeitsplatz innehat. Hier können Sie nicht ansetzen. Diese Situation müssen Sie gelassen annehmen. Aber in Ihrer Freizeit können Sie etwas ändern. Sie müssen nicht überall einhundert Prozent geben. Verlangen Sie von Ihrer Familie Unterstützung. Wenn alle zuhause zusammen anpacken, werden familiäre Pflichten leichter erfüllt und für alle bleibt mehr Zeit. Das gilt insbesondere für gestresste Frauen, die permanent Doppelbelastungen ausgesetzt sind.
2) Schaffen Sie sich zeitliche Freiräume, ob im Job oder privat, die nur Ihnen gehören. Sie können dafür Ihre regulären Pausen nutzen oder sich zuhause für zwanzig Minuten komplett zurückziehen, um nur eine kurze Zeit mit Ihnen alleine zu verbringen.
3) Lernen Sie, Aufgaben zu delegieren, statt alles selbst machen zu wollen. Sie werden nicht besser, wenn Sie alles können und alles tun. Sie werden nur leichter zum Lastesel und Mülleimer der Nation gemacht.
4) Machen Sie ab und zu einen Termin mit sich selbst. Tun Sie dann in Ihrer Freizeit ausschließlich die Dinge, auf die Sie wirklich Lust haben. Das können Aktivitäten alleine sein oder zusammen mit dem Partner. Bitten Sie Ihren Partner, mitzumachen und versprechen Sie gleichermaßen, dasselbe für ihn zu tun.
5) Lernen Sie gute Entspannungstechniken, sei es durch gezieltes Atmen, durch kurze Meditation, Musik oder was auch immer Ihnen gut tut. Tauchen Sie für eine kurze Weile in den Alpha-Zustand ab, in dem das Gehirn am entspanntesten ist. Das ist hilfreich und verschafft neue Energie. Für den Energienachschub muss gesorgt werden, will man dem Burnout vorbeugen. Dann übersteht man auch stressige Situationen in Berufs- und Privatleben unbeschadet.
Diese Liste ließe noch beliebig erweitern. Tun Sie einfach, was Ihnen Spaß macht und erkennen Sie, dass Sie der wichtigste Mensch in Ihrem Leben sein müssen, mit dem Sie pfleglich umzugehen haben, sonst können Sie bald nicht mehr für diejenigen, die Sie lieben, da sein. Burnout wird immer häufiger, aber er ist kein unabänderbares Schicksal. Sie haben es in der Hand. Gehen Sie gut mit sich um.
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